Machs halt!
Reisen - Abenteuer - Emotionen

Lebensträume: Machs halt

Prolog

Wenn ich jetzt aussteige, bin ich nass. Durch und durch! Das will ich nicht, ich bleibe im Auto. Diese tiefsinnige Erkenntnis geht mir gerade durch den Kopf.
Es ist später Abend, Mitte November, ich stehe auf dem Parkplatz in Carrick-on-Shannon, im beschaulichen County Leith in Irland. Ein schöner Ort mit vielen kleinen Geschäften aus allen erdenklichen Branchen und zahlreichen Pubs und Restaurants. Der heftige Regen klatscht gegen die Scheiben. Er kommt aus allen Richtungen und der Wind schüttelt das Auto kräftig durch. Das Wetter zeigt, was es drauf hat. Und in Irland ist das ganz schön viel.

Die Straßenlaterne erhellt das Fahrzeuginnere und spendet mir das nötige Licht, zumindest war das vorhin noch so. Inzwischen sind die Fenster aber so beschlagen, dass sich das Licht bricht und Schatten wirft. Beschlagen ist nicht der richtige Ausdruck. Nass sind die Fenster, richtig nass. Ja, die allgegenwärtige Feuchtigkeit in Irland hat es in sich.
Das Laptop liegt geöffnet auf seinem Stammplatz zwischen meinem Bauch und dem Lenkrad eingeklemmt. Es passt perfekt. Das ist für mich seit Monaten die Position, in der ich im Auto arbeite.

Cookie schnarcht hinter mir, hier im Ford Galaxy. Irgendwie sind wir drei, Cookie, der Galaxy und ich, ein verschworenes Team geworden in den letzten zwei Jahren. Unglaublich, es sind fast zwei Jahre, in denen ich, nein, in denen wir unterwegs sind. Auf engstem Raum und nur das Nötigste dabei. Und das ist nicht viel. Du brauchst nicht viel zum Leben, zum glücklich leben.
All das kommt mir in den Sinn, wenn ich abends im Auto sitze und mir die Zeit vertreibe. Entweder mit Schreiben, also der finanziellen Quelle meines Lebensunterhalts. Oder mit Musikabenden oder Filmen über YouTube. Eine Favoritenliste habe ich sowieso und durch den Algorithmus kommen immer neue Vorschläge dazu. Damit habe ich schon ganze Abende verbracht. Natürlich auch mit Lesen in einem guten Buch oder mit Sinnieren über alles Mögliche. In jedem Fall bin ich heute sehr viel kreativer bei der Abendgestaltung als im früheren Leben. Im früheren Leben? Klingt schon irgendwie komisch, aber das trifft es auch auf den Punkt.
Ja, ich bin oft allein. Aber ich fühle mich nicht einsam. Und falls doch, kann ich das jederzeit ändern. Es liegt an mir. Ich bin verantwortlich dafür, wie es mir geht. Wenn mir danach ist, gehe ich unter Menschen, in ein Café, eine Bar, einen Pub. Ich komme ins Gespräch mit den Leuten, meistens zumindest. Manchmal ist Cookie dann im Auto. Das kann sie ab und ich denke, sie will inzwischen oft auch ihre Ruhe haben.

Cookie. Sie ist zu meiner engsten Lebensgefährtin geworden. Wir gehen über den Tag verteilt stundenlang spazieren. Genießen die Zeit miteinander. Oft reden wir, in Worten ich mit ihr. Durch ihre Körpersprache auch sie mit mir. Wir kennen uns und teilweise kommen sehr skurrile Gespräche zustande. Zum Beispiel, wenn ich ihr plötzlich etwas erzähle, mit dem sie sicher nichts anfangen kann, weil es zu menschlich ist.

Ja, mein Leben ist jetzt schon sehr besonders. Es hat sich viel verändert und eigentlich sogar fast alles. Aber ich bin glücklich. Ich fühle sogar, dass ich noch nie so glücklich war, wie jetzt. Und ich fühle mich frei, freier und unabhängiger als je zuvor. Dieses Reisen ist mein Ding. Ich mache es bewusst und erlebe Tage und Nächte viel intensiver als früher.
Die Entscheidung, alles Bisherige aufzugeben, war genau richtig für mich. Aber diese Entscheidung hat eine Vorgeschichte. Eine lebenslange Vorgeschichte, die zum Teil schon in der Kindheit ihre Wurzeln hat. Auf diese Wurzeln bin ich gestoßen bei meinen nächtlichen Erinnerungs- und Gedankenspielen im Auto, mit dem Schnarchen von Cookie und der Musik von Bob Seger im Hintergrund.

Und darüber, also über diese Vorgeschichte, handelt dieses Buch. Aber nicht nur. Es geht natürlich auch um die Reise an sich. Ich beschreibe das, was ich als das Wertvollste dieser Reise betrachte: die unzähligen menschlichen Begegnungen mit einer unglaublichen Hilfsbereitschaft und Gastfreundschaft. Die schiere Menge dieser Begegnungen ist überwältigend und übertrifft alles, das ich zu hoffen gewagt hatte. Und das Buch beschreibt meinen Alltag. Ich gebe Tipps bezogen auf die Ausstattung, das Arbeiten als Digitaler Nomade und auf das Leben unterwegs im Auto. Und ich gebe Einblicke in meine Gefühls- und Gedankenwelt, die mich in einem gewissen Maße auch zu einem anderen Menschen gemacht haben, als ich vorher war.

Insgesamt ist dieses Buch in weiten Teilen eine Autobiografie. Es ist aber auch ein Reisetagebuch, ein Tippgeber, ein Leitfaden und vielleicht sogar ein Mutmacher. Denn wer von uns kennt es nicht: Diese Überlegungen, was nicht alles passieren könnte, wenn wir das oder das machen. Wir wälzen Probleme, die wir gar nicht haben und vielleicht nie haben werden. Wir sehen Schwierigkeiten und Gefahren, die in unseren Gedanken auftauchen und meist nie in der Realität. Und das hält uns davon ab, Dinge zu wagen. Gründe, weshalb wir etwas nicht machen können, finden wir immer.
Aus dieser Erkenntnis heraus habe ich mich oft gefragt: Was kann schon passieren? Und so kam ich auf mein Lebensmotto: Machs halt!
So, und damit wünsche ich euch viel Spaß beim Lesen, Eintauchen und Mitreisen. Und wenn ihr wollt - ich freue mich auch auf Rückmeldungen.

Peter, Cookie und Galaxy