Machs halt!
Reisen - Abenteuer - Emotionen

Fragen und Antworten

Anlässlich meines einjährigen Jubiläums habe ich Fragen beantwortet rund um die Reise. Hier ist das Ergebnis:

1. Wie schaffst Du das mit Cookie, Futter usw.? Macht sie diese Art Leben geduldig mit?
2. Wie kommt Cookie mit dem „unsteten“ Leben klar?

Cookie kommt ganz super damit klar. So ganz am Anfang hat sie sich schwer getan. Sie hat erlebt, wie die Wohnung immer leerer wurde, wusste manchmal vielleicht auch nicht, ob sie jetzt auch noch wegkommt. Sie hat extrem die Nähe zu mir gesucht.
Hat sich dann aber recht bald eingekriegt, im Auto schläft sie, hat ihren Platz und fühlt sich wohl.
Sie liebt den Kontakt zu anderen Menschen und freut sich immer, wenn mal wieder jemand neues ins Rudel kommt.
Futter und alles, was ich sonst für sie brauche ist kein Problem und überall zu haben.

3. Was sind Deine nächsten Ziele und wie lange wirst Du unterwegs sein?
Wenn ich das nur schon wüsste. Nachdem vorerst nichts mit Afrika wird, werde ich jetzt wohl erstmal noch in Europa bleiben, eventuell doch noch Irland und Großbritannien machen und in der zweiten Jahreshälfte schauen, dass ich das mit dem Frachter nach Südamerika hinkrieg.
Und wie lange? Open End!

4. Welche Sprachen sprichst Du? Wie klappt das mit der Verständigung?
Ich spreche Englisch, sehr gut. Hilft mir auch viel. Französisch hat sich durch den Aufenthalt in Frankreich erheblich verbessert. Spanisch lerne ich gerade über eine App.
Die Verständigung klappt ganz gut, schwierig ist immer nur der Einstieg. Also quasi der Smalltalk, wenn man jemanden unterwegs trifft. Deshalb war es mir wichtig so ein paar Floskeln zu lernen. Wie alt ist der Hund? Cookie ist eine Hündin! Cookie ist 10 Jahre alt…
Den Rest macht die menschliche Sprache und der Wunsch nach Kommunikation auf allen Seiten.

5. Im Vergleich zu vorher: Minimalismus - wie erlebst Du die Platzveränderung?
Durch ein paar kurzen Tripps habe ich vor der Reise schon gewusst, was mich erwartet. Das musste ich dann nur noch nach und nach optimieren. Es ist natürlich eine Umstellung, die ich aber bewusst gesucht und gewählt habe. Ich komm sehr gut damit zurecht, ist zwar schon eng, beispielsweise beim An- und Ausziehen, ich habe aber festgestellt, dass das meiner Beweglichkeit richtig gut tut.

6. Hast Du Dir nie gewünscht, etwas größer und komfortabler unterwegs zu sein?
7. Wird Dir das Auto nicht zu eng und unbequem? Wünscht Du Dir manchmal einen Campervan?

Immer dann, wenn ich mir gerade mal wieder den Kopf anschlage. Spaß, nee nicht wirklich. Ich kenne die Vorteile, mir reicht völlig, was ich habe, das Auto ist sehr günstig im Verbrauch und auch wenn ich mal ne Fähre nutzen muss oder dann sogar bei einem Frachter, wenns mal richtig übers Meer geht. Und auch Parken und Freistehen geht überall, da haben große Fahrzeuge manchmal echte Probleme. Aktuell ist der Galaxy erste Wahl, wie es irgendwann mal aussieht weiß ich nicht, aber ich denke dann bestenfalls nur ein bisschen größer.

8. Wie machst Du das mit dem Strom?
Geht bei mir alles über meine Autobatterie. Dazu habe ich noch zwei Powerbanks, mit einer kann ich mir Starthilfe geben (was auch schon nötig war) und für das Laden vom Laptop noch einen Inverter, der den Strom von 12 Volt auf 230 wandelt

9. Hast Du keine Angst vor Überfällen? Wie schützt Du Dich davor?
Nein, habe ich nicht.
Ich denke, es sind absolute Ausnahmen, wenn etwas passiert. Ich hör auf mein Bauchgefühl und wenn ich kein gutes Gefühl habe, irgendwo zu stehen, lass ich es.
Wenn jemand sich dem Auto nähert, meldet sich Cookie und das hört sich auch nach Hund an. Allerdings wüsste ich nicht, wie sie tatsächlich reagiert, weil sie Menschen einfach liebt.
Aber das wissen die Räuber ja nicht. Und das bleibt jetzt auch bitte unter uns.

10. Hast Du einen Notfallplan, wenn etwas passiert?
Nein, hab ich auch nicht. Es gibt so viele Variationen von Dingen, die passieren können, dass ich schon seit jeher immer darauf reagiere, wenn etwas passiert. Und das hat sich immer bewährt, denn Lösungen tauchen dann auf, wenn man sie braucht. Ansonsten habe ich Lösungen, aber die Probleme dazu fehlen mir. Ich mach es andersrum.

11. Wie ist Plan B, wenn die Gesundheit kein Reisen oder kein minimalistisches Reisen mehr zulässt?
Es gibt auch hier keinen. Ich bin gesund, fühle mich fit und habe es vor, zu bleiben. Falls sich irgendwann daran etwas ändert, muss ich schauen, was genau sich ändert, um dann drauf zu reagieren. Mit der Einstellung bin ich sehr entspannt.

12. Hast Du einen Plan oder ein Rezept, wenn schlechte Gedanken aufkommen oder man sich einsam fühlt?
Einen Plan nicht wirklich. Für mich sind Tiefs keine Feinde, sondern gehören zu meinem Gesamtkonstrukt. Wenn ich mich mal richtig mies fühle, weiß ich, dass ich aus der Situation raus muss. Also spazieren gehen, den Ort verlassen und weiterfahren, Musik hören, Fotos anschauen, Cookie volllabern.
Das Gefühl der Einsamkeit im eigentlichen Sinn kenne ich nicht. Allein sein, ja, aber damit habe ich gar keine Probleme. Hatte ich noch nie.

13. Wenn Du diese tollen Momente erlebst – fehlt Dir da niemand (eine Person), mit dem Du das teilen kannst?
Nein, tatsächlich nicht. Nicht in diesen Situationen. Ich freue mich aber, wenn ich dann darüber schreiben kann. Und da hilft mir Facebook und Instagram sehr viel. Danke an euch, übrigens!

14. Wie machst Du das denn generell mit all den Dingen, die man eigentlich im heimischen Bad macht?
Zähneputzen geht praktisch überall. Zum Waschen, den Körper, habe ich den guten alten Waschlappen und Seife wiederentdeckt. Das geht übrigens. Zum Duschen gehe ich auf Campingplätze, Sportstudios oder auch in Häfen. Einfach beim Hafenmeister fragen. Manchmal wollen die das nicht, dann frage ich einfach woanders. Manche wollen was dafür, der Tarif ist zwischen ein und drei Euro. Selbst wenn die nichts wollen, gebe ich was, denn ich krieg ja was von denen.
Was ich nicht mache, das ist, dass ich mich heimlich irgendwie durchschleiche. In meinen Augen ist das nicht fair.
Ein paar Mal habe ich auch eine Campingdusche, so ein schwarzer Sack mit Schlauch, genutzt und ein paar Mal wurde ich auch schon privat eingeladen. Ja, so sind die Menschen.
Für Rasieren und Haareschneiden habe ich einen Apparat. Da such ich mir irgendwo eine ruhige Stelle, wo ich das kurz machen kann.
Alles in allem funktioniert das. Nicht in der Luxusvariante wie zuhause. Aber es ist okay.

15. Wie machst Du das mit Wäsche waschen und Kühlen von Lebensmitteln?
Wäsche waschen geht hier nahezu überall in Waschsalons oder Kiosken. Da stehen auch Trockner zur Verfügung. Für alles zusammen meist irgendwas unter 10 Euro.
Zum Kühlen habe ich eine Kühlbox, die ans Bordnetz angeschlossen wird.

16. Ich frage jetzt mal was ganz Blödes/Intimes: Wie machst Du das mit der Verdauung? Stuhlgang…
Ganz wichtiger Punkt! Wenn ich irgendwo hinkomme, schaue ich immer erstmal nach den sanitären Möglichkeiten. In Frankreich waren das hochmoderne Toilettenanlage aus Edelstahl, die sich selbst automatisch gereinigt haben. Auch in Spanien gibt es öffentliche Toiletten. Außerdem gibt es in Einkaufszentren oder Supermärkten auch viele Toiletten in exzellentem Zustand.
Einmal in diesem ganzen Jahr musste ich mal in der Pampa was machen. Die Haufen von Cookie sammle ich auf, das mache ich auch mit meinen. Der nächste Mülleimer steht irgendwo.

17. Was für eine Arbeit machst Du und wie schwer ist/war es, an Aufträge zu kommen?
Meine Haupttätigkeit momentan ist Schreiben. So habe ich zum Beispiel als Ghostwriter bereits ein ganzes Buch geschrieben, das zweite steht gerade am Anfang. Dann bin ich Autor für ein neues Magazin, das online und demnächst gedruckt erscheint und ganz am Anfang habe ich Texte für Webseiten oder auch für Videos geschrieben.
Anfangs war das eine Zangengeburt und ich habe fast jeden Mist für einen Hungerlohn angenommen. Bis ich dann für mich entschieden habe, dass damit Schluss ist. Mit dieser Entscheidung hat sich dann was geändert. Ich verlange meinen Preis, ich weiß, dass ich gut bin, und mit dem Wissen argumentiert man ganz anders bei Auftraggebern.
Das ist auch mein Tipp an alle, die von unterwegs aus arbeiten. Verkauft euch nicht unter Wert!

18. Wie läuft es mit Aufträgen? Und wo arbeitest Du am liebsten?
19. Kommst Du mit Deinen Aufträgen über die Runde oder musst Du ans Ersparte ran?

Das mit den Aufträgen läuft prima. Schreiben mache ich meist im Auto auf dem Fahrersitz, den Laptop zwischen Lenkrad und Bauch. Das kann ich sogar stundenlang machen.
Ja, ich komme damit über die Runden und solange nicht wirklich was ganz Großes kommt, also neues Auto, große Reparatur, wasauchimmer  reicht das.

20. Machst Du Dir auch selbst was zum Essen oder gehst Du ausschließlich außerhalb Essen? Hast Du einen Campingkocher dabei?
Sowohl als auch. Momentan gehe ich regelmäßig frühstücken und genieße dabei die Runde von tollen Leuten, die mich quasi in ihren Reihen aufgenommen. Cafe Americano, also schwarzer Kaffee für einen Euro und ein oder zwei Tostatas con Tomate für jeweils auch einen Euro ist mir das auf jeden Fall wert.
Einen Kocher habe ich und nutze den auch. Ich gehe aber auch einfach nur einkaufen und mach mir quasi ein Vesper.

21. Hast Du Dir ein Budget gesetzt, das Du verbrauchen willst oder kannst?
Ich habe mir tatsächlich ein Budget gesetzt, und zwar 10,00 Euro pro Tag für die üblichen Notwendigkeiten. Also Essen, Trinken, Cookie. Weitere Ausgaben gehen auf ein anderes Budget.

22. Magst Du lieber Rotwein oder Weißwein?
Definitiv Rotwein – wobei ich jetzt schon ein paar Mal erlebt habe, dass die Spanier den eiskalt servieren…

23. Ich habe gelesen, dass Du Dich in Deutschland abgemeldet hast. Wo ist Dein Auto angemeldet und welche Vorteile hat das Abmelden?
Mein Auto ist noch im alten Landkreis angemeldet. Das geht, man muss nur eine empfangsberechtigte Person für die Post angeben, also wenn mir jemand Strafzettel schicken will, müssen die auch ankommen.
Vorteile beim Abmelden? Ich wollte einfach ne ganze Sache machen. Und zwar nicht, weil ich Deutschland nicht mag. Im Gegenteil – ich hatte hier 6 fantastische Jahrzehnte und hatte tolle Möglichkeiten und ein klasse Leben. Aber ich habe jetzt nichts mehr in Deutschland und plane auch nicht zurückzukommen. Und Rundfunk- und Abfallgebühren fallen auch nicht an.

24. Welche Versicherungen hast du?
Kfz-Versicherung und eine Sterbegeldversicherung. Bzgl Krankenversicherung muss man sich individuell erkundigen

25. Wie geht es Dir nach einem Jahr? Sehnst Du Dich manchmal nach Zuhause?
Mir geht’s prima, ich genieße jeden Tag und lebe tatsächlich meinen Traum. Das ist genau das Ding, dass ich schon immer machen wollte.
Ich sehne mich nach alten Freunden, nach meinem alten Umfeld, nach Hobbies und Leidenschaften, die ich dort noch hatte und gelebt. Aber das ist irgendwie ein ganz bewusstes Zurückerinnern an eine Episode im meinem Leben und ich weiß, dass ich all das ja nicht verloren habe.
Ich hatte schon die Befürchtung oder sogar die Erwartung, dass die Kontakte nachlassen. Aber das tun sie nicht. Mit den Menschen, die mir wichtig sind und ich offensichtlich denen auch, habe ich immer noch Kontakt. Und das ist klasse!